„Ich weiß es nicht“, sagte sie und beendete das Gespräch mit einem emotionalen Druck auf die entsprechende Taste. „Ich weiß es nicht“, murmelte sie noch einmal, während sie ihr Mobiltelefon ausdrucksstark in ihrer Tasche versenkte. Eine unsanfte Berührung ihrer linken Schulter holte sie in die Realität zurück. „Entschuldigen Sie“, räusperte sich ein kleiner Junge, dessen Sommersprossen schon gar nicht mehr viel von seinem Gesicht freigaben. „Entschuldigen Sie, aber Sie stehen auf meinem Hund.“ Erschrocken blickte sie an ihrem bejeansten Bein herunter und nahm dann verstohlen ihren Strippy Sandal von Manolo Blahnik aus einem leise wimmernden Dackel. Schnell kramte sie noch in ihrer Tasche und fand nicht unweit ihres entflohenen Telefons eine Dose Sprühpflaster und verschloss damit das Loch, das ihr Absatz hinterlassen hatte. „Vielen Dank“, sagte der kleine Junge, dessen Sommersprossen nun vom Gesicht auf die Arme gewandert waren und dort eine muntere Polka tanzten. „Zum Glück sind Sie so profillos, Ihre Schuhe, meine ich“, und entschwand mit seinem nun wieder geheilten und munteren Begleiter pfeifend um die nächste Ecke.
Sie entsann sich wieder ihrer Existenz und machte sich ebenfalls erneut auf den Weg. Die Straße war voll mit Menschen und von allen Seiten her strömten mehr und mehr herbei. Sie scharten mit ihren Hufen, wenn sie von rigorosem Rotlicht an die Haltelinie verdonnert wurden. Sie passierte das Zoogeschäft und blieb kurz stehen, um ihr Spiegelbild im Käfig gegenüber zu betrachten, erkannte aber bald die zwanghafte Sinnlosigkeit. Selten hatte sie die Straße so lang empfunden und es gelüstete ihr nach einem Führer. Dieser ergriff ihre Hand und begann sie in eine Gasse zu ziehen. Sein Gesicht ohne Seele ließ sie zurück schrecken und den Schritt zurück in die Ladenstraße tun. Kinder gingen an ihr vorbei und fütterten ihre Jacke mit Schokoladen- und Zitroneneis, und als sie ihnen mitteilte, dass ihre Jacke lieber Erdbeereis mag, kam ein weiteres Kind in einer roten Hose und einem gelbgepunktetem Hemd und brachte Erdbeereis.
Zufrieden ging sie weiter und musste ein paar Autos übersteigen, die am Bordsteinrand Kaffeeklatsch hielten. Das kleine Schwarze beklagte sich über die nachlassende Kraft im Auspuff, ein schon verrosteter Kleintransporter schilderte die Leiden in seiner Stoßstange in den schönsten Farben. „Was wisst ihr denn schon?“, schrie sie ihnen zu, da ihr die Normalität dieser Straße inzwischen gehörig auf die Nerven ging. Fluchend stapfte sie weiter die Ladenstraße entlang und blieb erst stehen, als sie mit der Spitze ihres Turnschuhs in einer hochstehenden Ecke des Wembley-Rasens hängen blieb. Direkt in Höhe eines Cafés, in dem sich die Straßentauben eine Auszeit von der grauen Arbeitswelt gönnten, blieb sie stehen und verfluchte die Welt. Über ihrem Kopf toste eine Gewitterwolke, die Blitze hinab auf ihre glänzenden Reiterstiefel schleuderte und sich mit einem beinah erleichterten Seufzer über ihr ergoss. „Ich weiß es nicht, verdammt noch mal, ich weiß nicht, wo er ist.“
Und endlich blieb die Welt stehen.
Bonn, 6. März 2007
Sie entsann sich wieder ihrer Existenz und machte sich ebenfalls erneut auf den Weg. Die Straße war voll mit Menschen und von allen Seiten her strömten mehr und mehr herbei. Sie scharten mit ihren Hufen, wenn sie von rigorosem Rotlicht an die Haltelinie verdonnert wurden. Sie passierte das Zoogeschäft und blieb kurz stehen, um ihr Spiegelbild im Käfig gegenüber zu betrachten, erkannte aber bald die zwanghafte Sinnlosigkeit. Selten hatte sie die Straße so lang empfunden und es gelüstete ihr nach einem Führer. Dieser ergriff ihre Hand und begann sie in eine Gasse zu ziehen. Sein Gesicht ohne Seele ließ sie zurück schrecken und den Schritt zurück in die Ladenstraße tun. Kinder gingen an ihr vorbei und fütterten ihre Jacke mit Schokoladen- und Zitroneneis, und als sie ihnen mitteilte, dass ihre Jacke lieber Erdbeereis mag, kam ein weiteres Kind in einer roten Hose und einem gelbgepunktetem Hemd und brachte Erdbeereis.
Zufrieden ging sie weiter und musste ein paar Autos übersteigen, die am Bordsteinrand Kaffeeklatsch hielten. Das kleine Schwarze beklagte sich über die nachlassende Kraft im Auspuff, ein schon verrosteter Kleintransporter schilderte die Leiden in seiner Stoßstange in den schönsten Farben. „Was wisst ihr denn schon?“, schrie sie ihnen zu, da ihr die Normalität dieser Straße inzwischen gehörig auf die Nerven ging. Fluchend stapfte sie weiter die Ladenstraße entlang und blieb erst stehen, als sie mit der Spitze ihres Turnschuhs in einer hochstehenden Ecke des Wembley-Rasens hängen blieb. Direkt in Höhe eines Cafés, in dem sich die Straßentauben eine Auszeit von der grauen Arbeitswelt gönnten, blieb sie stehen und verfluchte die Welt. Über ihrem Kopf toste eine Gewitterwolke, die Blitze hinab auf ihre glänzenden Reiterstiefel schleuderte und sich mit einem beinah erleichterten Seufzer über ihr ergoss. „Ich weiß es nicht, verdammt noch mal, ich weiß nicht, wo er ist.“
Und endlich blieb die Welt stehen.
Bonn, 6. März 2007
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