Dienstag, 21. Oktober 2008
Unter Strom.
In nur geringen aber bedrohenden Dosen fließt Strom durch meinen Körper und durch meinen Kopf. Er lähmt meine Gliedmaßen und bringt meine Gedanken zum Amoklauf. Er lässt mich schreien und weinen, fesselt mich und macht mich zu einer Gefangenen meiner selbst. Ich will mich befreien und will den Strom los werden. Ich will weglaufen und fliehen, aber ich tu es nicht. Ich will mich nicht befreien und den Strom weiter Stück für Stück von mir zerstören lassen. Ich will mich weiter hinabsinken lassen und keine Kraft mehr für den Kampf aufwenden müssen. Ich will kämpfen und mich befreien und will wieder an der Oberfläche auftauchen. Ich will fallen. Ich will aufstehen. Ich will kämpfen. Ich will kapitulieren. Ich will weinen. Ich will lachen. Die Gedanken kreisen durch mein Hirn und erzeugen einen Wirbel, der alles mitreißt. Nichts kann sich halten und wird mit eingesogen. Viel zu dünne Mauern werden zerrissen wie Papier, wehen hinweg, als hätte es sie nie gegeben. Ich habe Schmerzen, hier und dort, und überall, aber wenn ich es mir genau überlege, schmerzt es nirgends. Ich liege und stehe wieder auf und setze mich und springe weg und knie auf den Boden und lasse mich fallen und wälze mich herum und richte mich wieder auf und liege und stehe wieder auf und setze mich und springe weg und knie auf den Boden und lasse mich fallen und wälze mich herum und richte mich wieder und liege mich herum und wälze mich runter und knie herab und schreie und weine und lache und zweifel und schließe die Augen und lasse mich vom Strom mitziehen.
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