Es war so ein Tag, an dem man nichts mehr erwartete. Irgendwie war alles schon passiert und sie setzte den einen Fuß vor den anderen, nur, um den einen Fuß vor den anderen zu setzen. Oder den anderen vor den einen, das war ihr im Prinzip auch ziemlich egal. Es war ja so ein Tag, an dem man nichts mehr erwartete.
Der eine Fuß und der andere trugen sie die Straße hinab, vermeintlich stur geradeaus, aber umso mehr doch völlig ungelenkt. Sie passierte einen Baum, der seinem Aussehen nach auch nichts mehr zu erwarten schien außer dem gelegentlichen Vierbeiner, dem das runtzelige Laubwrack immer noch gut genug für Standortmarkierungen war. Passiv schritt sie an einem Reisebüro vorbei, doch selbst der deprimierte Seufzer „Urlaub…“ und eine entfernte Erinnerung an ein blaues, von leichten Wellen durchschnittenes und für gewöhnlich mit Träumen getränktes Meer schoben sich nicht mehr in ihr Bewusstsein. An einer Litfaßsäule warb ein Laufverein für einen Marathon im Mondschein, doch auch dies ließ ihre Füße kalt.
Schließlich kam sie doch zu einem Halt, unerwartet abrupt. An dem Tag und an der Straße, an dem und von der sie nichts erwartete, stand sie auf einmal vor dem Unerwarteten. Ihre Fußspitzen berührten den unteren Rand des Unerwarteten, stießen auf den Stein und standen still. Langsam und verdutzt hob sie die Hand und ließ ihre Finger darüber gleiten. Sie spürte die Risse in der hohen Mauer, die sich so unterwartet ihr in den Weg gestellt hatte. Wie eine Landkarte einer fremden Welt lagen die Linien auf dem Stein, grenzten sich ab und schlossen ein. Sie blickte sich um: An dem Tag, an dem nichts mehr zu erwarten war, drehte sie sich erwartungsvoll um. Aber es erwartete sie nach wie vor nur das Nichts und so wandte sie sich wieder der grauen Eminenz vor ihren Füßen und vor, vielleicht auch in ihrem Kopf zu. Erneut erhoben sich ihre Finger und begannen mechanisch mit Druck die Risse zu erkunden. Scharf schnitten die Kanten in ihre Fingerkuppen, hinterließen die Spuren auf ihr, wie sie es bereits auf der Wand getan hatten. Langsam hoben die Finger die Ränder an und erleichterten die Mauer Stück für Stück um ihre Hülle.
Eine rote Schichte lugte unter einer Ecke hervor und sie legte sie sorgfältig frei. Zäh und klebrig wie Marmelade blieb die Masse an ihrem Fingernagel hängen. Sie ergriff Besitz von ihrem gesamten Fingernagel – unerwartet, natürlich – und zog sich langsam den Finger entlang. Panik stieg gleichzeitig mit der roten Masse, wenn auch in einer wesentlich höheren Geschwindigkeit in ihr auf, und sie versuchte, die Masse wieder zurück an die Mauer zu geben. Felsbrocken fielen vor ihren Füßen hinab, landeten auf ihnen und hinterließen Lücken in der Mauer. Größer und größer wurden die Löcher und als die rote Masse ihren Ellenbogen erreicht hatte, stand sie vor einem Durchgang. Verblüfft hielt sie inne, vergaß für einen Moment ihre Panik, die rote Masse, diesen Tag, diese Straße und ihre gesamte Erwartungslosigkeit und starrte nur in das Loch, das vor ihr stand. Ein kalter Wind blies ihr in den Nacken. Sie schob ihren Arm, rot wie er war, in das Loch und spürte Wärme.
Es war so ein Tag, an dem man nichts erwartete, als sie ohne jede Erwartung durch das Loch in eine neue Welt schritt.
Der eine Fuß und der andere trugen sie die Straße hinab, vermeintlich stur geradeaus, aber umso mehr doch völlig ungelenkt. Sie passierte einen Baum, der seinem Aussehen nach auch nichts mehr zu erwarten schien außer dem gelegentlichen Vierbeiner, dem das runtzelige Laubwrack immer noch gut genug für Standortmarkierungen war. Passiv schritt sie an einem Reisebüro vorbei, doch selbst der deprimierte Seufzer „Urlaub…“ und eine entfernte Erinnerung an ein blaues, von leichten Wellen durchschnittenes und für gewöhnlich mit Träumen getränktes Meer schoben sich nicht mehr in ihr Bewusstsein. An einer Litfaßsäule warb ein Laufverein für einen Marathon im Mondschein, doch auch dies ließ ihre Füße kalt.
Schließlich kam sie doch zu einem Halt, unerwartet abrupt. An dem Tag und an der Straße, an dem und von der sie nichts erwartete, stand sie auf einmal vor dem Unerwarteten. Ihre Fußspitzen berührten den unteren Rand des Unerwarteten, stießen auf den Stein und standen still. Langsam und verdutzt hob sie die Hand und ließ ihre Finger darüber gleiten. Sie spürte die Risse in der hohen Mauer, die sich so unterwartet ihr in den Weg gestellt hatte. Wie eine Landkarte einer fremden Welt lagen die Linien auf dem Stein, grenzten sich ab und schlossen ein. Sie blickte sich um: An dem Tag, an dem nichts mehr zu erwarten war, drehte sie sich erwartungsvoll um. Aber es erwartete sie nach wie vor nur das Nichts und so wandte sie sich wieder der grauen Eminenz vor ihren Füßen und vor, vielleicht auch in ihrem Kopf zu. Erneut erhoben sich ihre Finger und begannen mechanisch mit Druck die Risse zu erkunden. Scharf schnitten die Kanten in ihre Fingerkuppen, hinterließen die Spuren auf ihr, wie sie es bereits auf der Wand getan hatten. Langsam hoben die Finger die Ränder an und erleichterten die Mauer Stück für Stück um ihre Hülle.
Eine rote Schichte lugte unter einer Ecke hervor und sie legte sie sorgfältig frei. Zäh und klebrig wie Marmelade blieb die Masse an ihrem Fingernagel hängen. Sie ergriff Besitz von ihrem gesamten Fingernagel – unerwartet, natürlich – und zog sich langsam den Finger entlang. Panik stieg gleichzeitig mit der roten Masse, wenn auch in einer wesentlich höheren Geschwindigkeit in ihr auf, und sie versuchte, die Masse wieder zurück an die Mauer zu geben. Felsbrocken fielen vor ihren Füßen hinab, landeten auf ihnen und hinterließen Lücken in der Mauer. Größer und größer wurden die Löcher und als die rote Masse ihren Ellenbogen erreicht hatte, stand sie vor einem Durchgang. Verblüfft hielt sie inne, vergaß für einen Moment ihre Panik, die rote Masse, diesen Tag, diese Straße und ihre gesamte Erwartungslosigkeit und starrte nur in das Loch, das vor ihr stand. Ein kalter Wind blies ihr in den Nacken. Sie schob ihren Arm, rot wie er war, in das Loch und spürte Wärme.
Es war so ein Tag, an dem man nichts erwartete, als sie ohne jede Erwartung durch das Loch in eine neue Welt schritt.
1 Kommentar:
Definitiv kein Meisterwerk, aber irgendwann gibt's hier für noch mal einen Feinschliff!! :)
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